Home Office? Yahoo sagt “Nein”!

by Bernd on 11. März 2013 · 2 comments

Home Office? Nicht für Yahoo-Mitarbeiter!

Es kommt nicht jeden Tag vor, dass wir uns wieder wie Kinder fühlen dürfen, die die Schulbank drücken. Die Angestellten von Yahoo haben gerade das Vergnügen – das kürzlich erteilte Home Office Verbot lässt die Wogen hochgehen. In einer internen E-Mail, die letzte Woche an die Öffentlichkeit gelangte, kündigte Personalchefin Jackie Reses an, dass alle Mitarbeiter angehalten seien, bis spätestens Juni ihren Heimarbeitsplatz gegen den Schreibtisch im Büro zu tauschen. Die Entscheidung ist nur eine von vielen Restrukturierungsmaßnahmen von Marissa Mayer, der neuen Chefin des Internetskonzerns, – und stößt bei den Angestellten gar nicht auf Gegenliebe. Das Home Office Verbot wird als Einschnitt in die Freiheit und die Selbstverantwortung der Arbeitsnehmer gesehen. Mayers Weg findet allerdings bereits Nachahmer: BestBuy kündigte am Montag an, das flexible Arbeitszeitprogramm für seine Mitarbeiter abzuschaffen. Woher kommt dieser plötzliche Sinneswandel?

In dem Memo, das über All Things Digital ans Licht der Öffentlichkeit gelangte, spricht Reses davon, dass jeder an der Unternehmenskultur teilhaben und zur positiven Entwicklung von Yahoo beitragen soll. Im Gegensatz zu Mayers Sichtweise, dass Geschwindigkeit und Qualität bei der Arbeit im Home Office leiden, kommt eine aktuelle Studie von SurveyMonkey allerdings zu dem Schluss, dass 51 % aller Befragten mehr arbeiten, wenn sie dies von zu Hause aus tun. Und auch, wenn Mayer völlig Recht hat damit, dass viele Innovationen und Ideen durch den direkten Kontakt der Mitarbeiter im Büro entstehen – wann haben Sie zum letzten Mal ein Gespräch erlebt, das nicht mit den Worten endete: “Können Sie mir das bitte noch in einer E-Mail schicken?”

Ich dachte, Mayer arbeitet für Google?

Das war einmal: Die Ernennung der erfahrenen ehemaligen Google Vizepräsidentin zur neuen Yahoo-Chefin soll sicherstellen, dass das Internetunternehmen endlich eine stabile Führung erhält. In den letzten fünf Jahren saßen fünf verschiedene CEOs am Ruder. Kein Wunder, dass die Mitarbeitermotivation nach so vielen Wechseln im Keller ist. Yahoo arbeitet deshalb hart daran, mit neuen Incentives die Mitarbeiterzufriedenheit zu verbessern. Wird jetzt die völlige Veränderung der Arbeitszeitmodelle zum K.o.-Schlag für alle Bemühungen?

Warum im Home Office arbeiten?

Welchen Arbeitsplatz wir bevorzugen, ist eine persönliche Frage. Das Home Office hat allerdings einige entscheidende Pluspunkte. Für Pendler ist besonders der Gedanke attraktiv, endlich dem täglichen Verkehrstrott zu entgehen – noch ganz abgesehen von den ökologischen und finanziellen Vorteilen. Auch Flexibilität ist ein Faktor: Arbeiten von zu Hause aus erhöht den Freiheitsgrad für Arbeitnehmer und ihre Familien. Im Home Office kann zum Beispiel ein krankes Kind betreut werden, ohne dass dafür Urlaubstage oder der Projekterfolg dran glauben müssen. Bei Automattic, vor allem bekannt für WordPress, arbeiten 130 der insgesamt 150 Angestellten außerhalb der Zentrale in San Francisco. Die Sichtweise von Auttomatic: Nicht die Arbeitszeit steht im Mittelpunkt, sondern das Ergebnis.

Unter einem pauschalen Home Office Verbot leiden vor allem Frauen mit Kinderbetreuungspflichten. Die gläserne Decke ist immer noch ein klares gesellschaftliches Problem. Die Rückkehr zu starren Arbeitszeitmodellen drängt Frauen noch mehr ins Abseits: Wenn Karriere und Kind unvereinbar werden, verringern sich die Chancen von Müttern, Karriere zu machen, dramatisch. Unternehmen verlieren auf diesem Weg wertvolle Arbeitskräfte. Ironisches Detail: Marissa Mayer ist selbst Mutter – und arbeitete nach der Geburt ihres ersten Kindes aus dem Home Office.

Der Domino-Effekt

Zuerst Yahoo, dann BestBuy: Die Elektronikkette verabschiedete sich von ihrem 2005 eingeführten “Results Only Work Environment” (ROWE), alle Mitarbeiter verbringen nun 40 Stunden die Woche im Büro. Pressesprecher Matt Furman bezeichnete BestBuy als ein “Alle Mann an Board”-Unternehmen: Aus seiner Sicht sollten die Mitarbeiter so viel Zeit wie möglich im Büro verbringen, um besser zusammenzuarbeiten und sich zu vernetzen. Laut Erin Kelly von der University of Minnesota nutzen sowohl BestBuy als auch Yahoo flexible Arbeitszeitmodelle unfair zu ihrem eigenen Vorteil aus. Mit Ihrer Entscheidung stellen sich die beiden Großkonzerne übrigens gegen einen wachsenden Trend: Zwischen 2005 und 2010 stieg die Anzahl der Unternehmen, die Ihren Mitarbeitern das gelegentliche Arbeiten im Home Office ermöglichen, von 34 auf 63 Prozent.

Unter den kritischen Stimmen befindet sich auch der britische Unternehmer und Multimilliardär Richard Branson. In seinem eigenen Beitrag zur Debatte betont er, wie wichtig es ist, den Mitarbeitern zu vertrauen, dass sie ihre Arbeit erledigen – egal, wo sie sind, und ohne Überwachung.


In unserem nächsten Artikel verraten wir Ihnen Tipps und Tricks, wie Sie als Home Office Mitarbeiter Ihre Produktivität beweisen und Ihre Work-Life-Balance noch weiter verbessern können.

“Working life isn’t 9-5 anymore”Richard Branson

Wie denken Sie über das Thema? Wurden die Mitarbeiter in Ihren Freiheiten eingeschränkt? Arbeiten Sie aus dem Home Office? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar!

 

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