Recht auf Urlaub – Die 10 größten Urlaubsirrtümer

by Bernd on 17. September 2012 · 1 comment

Urlaub - Ein Irrgarten

Fakt ist: Die Deutschen sind Spitzenreiter im Verreisen. Doch bei rechtlichen Fragen zum Thema Urlaub existieren bei Arbeitnehmern und Arbeitgebern immer noch viele Irrtümer. Kein Wunder: Komplizierte Gesetzestexte tragen nicht unbedingt dazu bei, den Durchblick zu behalten. Auf Grundlage von Bundesurlaubsgesetz & Co. klären wir die zehn größten Urlaubsirrtümer auf:


Irrtum 1: Der Arbeitgeber entscheidet über die Dauer des Urlaubs.

Dem Arbeitnehmer steht in einem Kalenderjahr ein Urlaub von mindestens zehn zusammenhängenden Arbeitstagen zu. Der Arbeitgeber kann nur aufgrund „dringender betrieblicher Gründe“ ablehnen. Beispielsweise dann, wenn der Urlaubsantrag des Mitarbeiters mit den Urlaubswünschen von Kollegen kollidiert, die unter sozialen Gesichtspunkten den Vorrang verdienen (z.B. Elternteile mit schulpflichtigen Kindern zur Ferienzeit).

Irrtum 2: Geringfügig Beschäftigten steht kein Urlaub zu.

Grundsätzlich gilt: Geringfügig Beschäftigte haben dieselben Rechte wie Vollzeitarbeitnehmer – also auch Anspruch auf Urlaub. Da sie aber nicht in vollem Umfang beschäftigt sind, verringert sich der Urlaubsanspruch anteilig.

Irrtum 3: Der gesetzliche Mindesturlaub beträgt 30 Tage.

Ganz so großzügig ist der Gesetzgeber nicht. Bei einer Arbeitswoche von Montag bis Samstag besteht Urlaubsanspruch von mindestens 24 Arbeitstagen. Nur 20 Tage gesetzlichen Mindesturlaub gibt es bei einer Fünf-Tage-Woche. Glücklicherweise ist aber die Zahl der Urlaubstage, dank Arbeits- und Tarifverträgen, in vielen Unternehmen höher.

Irrtum 4: Beginnt ein Arbeitsverhältnis während eines Kalenderjahres, wird der Urlaubsanspruch anteilig berechnet.

Wer das glaubt, der irrt! Tritt jemand in den ersten 6 Monaten des Kalenderjahres in ein Unternehmen ein, hat er vollen Urlaubsanspruch. Der Mitarbeiter muss aber die gesetzlich festgelegte Wartezeit von 6 Monaten einhalten, bevor er Urlaub nehmen kann.

Irrtum 5: Urlaub kann ins nächste Jahr übertragen werden.

Laut Gesetz muss Urlaub vollständig in dem Kalenderjahr genommen werden, in dem der Urlaubsanspruch entstanden ist. Zum 31.12. verfällt der Urlaub ersatzlos. Unter bestimmten Voraussetzungen können Urlaubstage jedoch bis zum 31.03. des Folgejahres übertragen werden. Zum Beispiel dann, wenn es im Tarifvertrag so festgelegt ist.

Irrtum 6: Zu Hochzeiten, Geburten, und Todesfällen steht bezahlter Urlaub zu.

Hierbei handelt es sich um eine vertragliche Regelung. §616BGB sieht aber unter bestimmten Voraussetzungen eine bezahlte Freistellung des Arbeitnehmers vor. Hier ist aber Vorsicht geboten: Dieser Paragraph kann vertraglich vom Arbeitgeber außer Kraft gesetzt werden!

Irrtum 7: Wer im Urlaub krank wird, hat Pech gehabt.

Urlaubstage, die wegen Krankheit nicht der Erholung dienen, können nachgeholt werden. Voraussetzung: ein ärztliches Attest zur Krankschreibung, das den Arbeitgeber zeitnah erreicht.

Irrtum 8: An Heiligabend und Silvester gibt es halbe Urlaubstage.

Dies ist eine unternehmensinterne vertragliche Regelung. Der Gesetzgeber sieht keine halben Urlaubstage vor. Es lohnt sich also, in den Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag zu schauen!

Irrtum 9: Urlaub kann man sich auszahlen lassen.

Urlaub ist dazu da, um sich erholen zu können! Eine finanzielle Abgeltung nicht genommenen Urlaubs ist unzulässig. Keine Regel ohne Ausnahme: Wird der Arbeitgeber gekündigt und reicht die Kündigungsfrist nicht zur Inanspruchnahme des gesamten Urlaubs, besteht für den Rest der Urlaubstage Anspruch auf Urlaubsabgeltung.

Irrtum 10: Urlaubsbeantragung und Genehmigung müssen schriftlich erfolgen.

Urlaub kann auch mündlich und stillschweigend genehmigt werden.
Um bei möglichen Rechtsstreitigkeiten in Sachen Urlaub auf der sicheren Seite zu sein, sollten Arbeitgeber und Arbeitnehmer allerdings immer auf eine schriftliche Beantragung und Genehmigung bestehen. Für eine besonders nachvollziehbare Urlaubsverwaltung sorgt TimeTac. Urlaubsanträge, Urlaubsanspruch und genehmigter Urlaub sind für jeden sichtbar hinterlegt. Die Transparenz ermöglicht eine schnelle und einfache Urlaubsplanung.

 

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1 Karsten September 18, 2012 um 10:06

Sehr gute Übersicht, am interessantesten für mich war Irrtum 4, der hat mich in meinem Arbeitsleben sicher schon einige Tage Urlaub gekostet, weil die allermeisten Arbeitgeber eben doch so verfahren (anteilig).

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