Joberfolg morgen mit Fähigkeiten von gestern? Vergessen Sie es! – Karriere & Zukunft, Teil 1

by Bertold Raschkowski (Gastpost) on 28. Juni 2011 · 3 comments

Joberfolg - So bringen Sie Ihre Karriere auf Schiene

Die Welt da draußen verändert sich, ob wir wollen oder nicht. Speziell die “Arbeitswelt”. Und in dieser Welt besonders jene der Unternehmen und Menschen, die im größten aller Sektoren, dem Dienstleistungssektor, unterwegs sind, um mehr als nur ihre Brötchen zu verdienen. Alte Fähigkeiten, Skills, einmal erarbeitetes Wissen sind mehr als überholt und weder für ein Überleben geschweige denn für den langfristigen beruflichen Erfolg zu gebrauchen. Egal, wie man nun Erfolg im Allgemeinen oder den individuellen Erfolg definiert.

Wirklich? Dann wäre es doch reiner Zufall, dass unsere mitteleuropäische Wirtschaft so (relativ) gut funktioniert.

Welches sind die wichtigsten Veränderungen in der Arbeitswelt, was müssen wir morgen können und was wird überflüssig? Welche Rolle spielen „alte“ Fähigkeiten, Fertigkeiten, Qualitäten für den Joberfolg von morgen? Darum geht es in dieser Beitragsserie. Den Anfang macht die Zukunft des Arbeitsmarktes.

1. Der Arbeitsmarkt wird zum Anbietermarkt

Und zwar zum Markt der Anbieter von Arbeitskraft. Für Unternehmen wird es zusehends schwieriger, gute Mitarbeiter – sei es als Ersatz oder zur Sicherung der Expansion – zu finden und einzustellen. Entweder, weil sie gar nicht vorhanden sind oder weil sie zwar vorhanden sind, sich aber dem “Zugriff entziehen”. Das liegt zum einen daran, dass alterspyramidenbedingt immer mehr Menschen aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Zum anderen rückt nur eine begrenzte Anzahl qualifizierter Nachwuchskräfte wieder auf den Markt nach. Und: Menschen, die einen vermeintlich sicheren festen Arbeitsplatz haben, neigen dazu, ihn festzuhalten.

Gute Leute, die sich in einem Unternehmen nicht entfalten können, werden sich das Umfeld suchen, in dem sie ihren Bedürfnissen entsprechend arbeiten können. Wenn das nicht in einem klassischen Unternehmen klappt, bauen sie ihr eigenes auf und können im Zweifelsfall sogar zum Mitbewerber werden. Andere qualifizierte Mitarbeiter stehen nicht mehr zur Verfügung, weil sie sich selbst verwirklicht haben und aus dem Hamsterrad ausgestiegen sind (wie zum Beispiel der einst erfolgreiche Investmentbanker, der ein Restaurant in der Schweiz eröffnet hat).

2. Multijobs kommen

In den Vereinigten Staaten ist es bereits Gang und Gäbe, mehreren Jobs nachzugehen. Einerseits, um das Überleben zu sichern, und andererseits, um sich einen „besseren Standard“ leisten zu können. Europa zieht hier mittlerweile nach. Ich würde dieses Phänomen eher als passiven Trend bezeichnen; das Multijobbing erfolgt aus der Not heraus. Der aktive Trend und die andere Seite der Medaille ist: Wir gehen mehreren Jobs nach, weil wir Menschen mit unterschiedlichsten Bedürfnissen und Neigungen sind und nicht nur als Spezialisten in einem Bereich “unterwegs” sein wollen. Ob es sich dabei um mehrere Festanstellungen in Teilzeit handelt oder eine Festanstellung und eine oder mehrere Freelance-Aktivitäten, spielt dabei keine Rolle.

3. Mikrojobs

Das Internet bietet enorm viele Möglichkeiten, mit klugen Geschäftsmodellen zum Teil beachtliche (Neben-)Einkünfte zu erzielen. Sei es durch Verkauf eigenerstellter Produkte, die Veröffentlichung von Artikeln oder das Angebot von Minidienstleistungen (siehe Fiverr). Neue Produkte und Märkte entstehen.

4. Neue Definition von Arbeitszeit

Wir werden immer häufiger die Möglichkeit bekommen, unsere Arbeitszeit entsprechend unserem Biorhythmus zu gestalten. Der klassische 9-to-5-Job ist ohnehin schon weitgehend überholt. Mit einer stärkeren Orientierung hin zu vollständig ergebnisorientierten Arbeitsumgebungen (ROWE) können immer mehr von uns entscheiden, wann, wie lange am Stück, mit welchen Pausen und von welchem Ort aus sie arbeiten wollen.
Wohlgemerkt: In Produktionsbetrieben oder im Gesundheitswesen finden diese Ideen ihre Grenzen.

5. Jobs, die es gestern noch nicht gab

Durch den technologischen und gesellschaftlichen Wandel entstehen heute Jobs, die es gestern noch nicht gab (prominente Beispiele: Spezialisten für Facebook-Marketing oder Reputation Management). Das bietet die Chance für Leute, die einen Trend erkennen, sich selbst einen Job zu kreieren, bevor er ausgebildet wird.

6. Bedeutungsverschiebung in der Ausbildung

Selbstverständlich wird es auch zukünftig akademische Ausbildungen geben müssen; ich denke da insbesondere an die Ausbildung für eine Laufbahn in Forschung und Lehre. Nur werden sie zunehmend anders in Anspruch genommen: Nicht, um den Titel und den Abschluss zu erlangen und dann einen (guten) Job zu bekommen, sondern um zielgerichtet genau die Inhalte zu studieren und zu erlernen, die für die bereits funktionierende Unternehmenspraxis benötigt werden. Das theoretische Fundament wird quasi erst dann gebaut, wenn das Haus bereits steht.

7. Skills aus Schule, Ausbildung und Studium

… machen nur noch einen geringen Teil der Erfolgsfaktoren von morgen aus. Sicher, Lesen, Schreiben, Rechnen, logisch und analytisch Denken etc. werden wir auch weiterhin beherrschen müssen – gewisse Grundfertigkeiten sollten vorhanden sein. Doch bereits jetzt sehen wir, das es bei der Ausbildung der Fähigkeiten wie Konfliktlösung, Kommunikation, Kreativität enorme Defizite gibt – und das nicht erste seit gestern. Warum werden sonst Tonnen von Büchern und unzählige Seminare zu diesen Themen angeboten und nachgefragt?

8. Tauschhandel und Teil-Wirtschaft – Ende der Geheimniskrämerei

Die alte Regel „Ich tue nur etwas, wenn du mir Geld dafür gibst.“, tritt in den Hintergrund. Das betrifft insbesondere den Bereich Wissen und Wissensvermittlung. Eine enorme Menge an Wissen ist frei verfügbar und wird großzügig ge- und verteilt; wie es zum Beispiel ein CoWorking-Space in meiner Stadt mit sogenannten (kostenlosen) Skill-Share-Workshops praktiziert.

Know-How wird zunächst „investiert“ um im Anschluß zu einem größeren Etwas zu werden. Ein finanzieller Rückfluss ergibt sich nicht automatisch und unmittelbar. Jedoch werden so Projekte oder Aufträge überhaupt erst angebahnt, zu denen sich über konventionelle Wege kein Zugang ergeben hätte. Auf jeden Fall verändert der Umgang mit und die Verfügbarkeit von Wissen die Jobwelt außerordentlich.

Welche Jobs in der Jobwelt von morgen verschwinden werden, verrät Ihnen Bertold Raschkowski ganz ohne Kristallkugel in seinem Gastpost nächste Woche. Und in Teil 3 erfahren Sie, was Sie brauchen, um in dieser Welt bestehen zu können.

Bertold Raschkowski (c)raschkowski   Bertold Raschkowski betreibt auf Five By Nine ein Fachgeschäft für Ideen, Anregungen rund um Work, Life & Balance und persönliche Entwicklung. Wer möchte, kann sich hier die passende Idee oder Inspiration in Ruhe ansehen, mitnehmen oder wieder zurück ins Regal stellen. Außerdem ist er Co-Autor beim Fachblog future commerce, das sich mit Trends, Neuigkeiten und Kuriositäten in eCommerce und Retail beschäftigt.

Wenn Bertold Raschkowski nicht schreibt, twittert oder spricht, ist er beratender Sparringspartner für Online-Händler und eCommerce-Dienstleister und liebt die Alpen – zu Fuß und zu Rad.

 

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